Freiliegende Zahnhälse: Wenn jeder Schluck zum Schmerztest wird

Freiliegende Zahnhälse: Wenn jeder Schluck zum Schmerztest wird

Kennen Sie das? Ein Schluck eiskaltes Wasser, und ein stechender Schmerz fährt durch Ihren Zahn? Freiliegende Zahnhälse sind ein weit verbreitetes Problem – etwa bei der Hälfte der Bevölkerung ist ein Rückgang des Zahnfleischs zu beobachten. Doch zum Glück gibt es effektive Lösungen.

Wie entstehen freiliegende Zahnhälse?

Um das schmerzhafte Geschehen zu verstehen, schauen wir uns den Zahnaufbau an: Die Zahnwurzel ist fest im Kieferknochen verankert, sichtbar im Mund ist die harte, weiße Zahnkrone. Zwischen Wurzel und Krone befindet sich der relativ weiche und empfindliche Zahnhals. Er ist besonders schmerzempfindlich, weil hier das weichere Dentin von winzigen Kanälchen durchzogen ist, die direkt zum Zahnnerven führen. Wenn sich das Zahnfleisch zurückbildet, liegen die empfindlichen Zahnhälse frei. Die Hauptursachen liegen bei falscher Putztechnik und Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) – beides lässt sich gut vermeiden.

Woran erkenne ich freiliegende Zahnhälse?

Die Symptome sind eindeutig: Ihre Zähne reagieren schmerzhaft auf kalte, heiße, süße oder saure Reize. Der Zahnhalsdefekt macht sich besonders beim Trinken kalter Getränke oder beim Zähneputzen bemerkbar. Optisch können Sie freiliegende Zahnhälse daran erkennen, dass die Zähne länger erscheinen oder eine gelblichere Farbe am Zahnfleischrand sichtbar wird.

Wie kann man Zahnfleischrückgang verhindern?

Druck auf das Zahnfleisch beim Zähneputzen muss unbedingt vermieden werden. Kräftiges rechts-links-hin- und her-Schrubben ist Gift für die Zahnhälse. Die optimale Zahnreinigung erfolgt mit einer weichen Zahnbürste mit abgerundeten Borsten, oder noch besser mit einer Einbüschelbürste, die die Zahnbeläge am Zahnfleischrand besonders gründlich und schonend entfernt. Mit folgendem Trick gelingt druckloses Putzen: Halten Sie die Zahnbürste nur zwischen Daumen und Zeigefinger. Elektrische Zahnbürsten mit dreidimensionalen Bewegungen und Druckkontrolle sind ebenfalls hilfreich. Tauschen Sie Ihre Zahnbürste nach etwa drei Monaten aus. Die passende Zahncreme sollte wenig Abriebpartikel enthalten. Der sogenannte RDA-Wert gibt darüber Auskunft und sollte unter 40 liegen. Damit fallen alle Whitening-Zahncremes weg, denn diese enthalten viele scheuernden Putzkörper, die den Zahnhals zusätzlich schädigen können. Neuerdings gibt es sogar eine Zahncreme mit Probiotika, die zahnschädigende Bakterien im Mund zurückdrängen können.

Was hilft gegen empfindliche Zähne?

Spezial-Zahnpasta für empfindliche Zähne enthält Inhaltsstoffe wie Kaliumnitrat, das die Dentinkanälchen verschließt und so die Schmerzweiterleitung blockiert. Besonders effektiv sind Formulierungen mit Amin- und Natriumfluoriden, die den Zahnschmelz härten. Ihr Zahnarzt kann hochkonzentrierte Fluoridlacke auftragen, die die Zähne remineralisieren. Bei ausgeprägten Zahnhalsdefekten kann eine Kunststoffversiegelung die empfindliche Stelle dauerhaft schützen. Vergessen Sie die Zahnzwischenräume nicht, denn fast 90 Prozent aller schädlichen Bakterien siedeln dort. Verwenden Sie täglich Bürstchen, die den Zahnzwischenraum gründlich von Zahnbelag befreien sowie Zahnseide. Bedenken Sie: Ohne Bakterien gibt es weder Karies noch Zahnfleischentzündungen.

Vorbeugung ist der beste Schutz

Achten Sie auf eine zuckerarme Ernährung, um das Gleichgewicht der Mundflora zu erhalten – durch zu zuckerreiche Nahrung erhalten Bakterien einen Wachstumsschub, die die Zähne dauerhaft schädigen. Warten Sie nach säurehaltigen Getränken 30 Minuten mit dem Zähneputzen, da Ihr Speichel die Zähne in dieser Zeit auf natürliche Weise mit Mineralien versorgt und schützt. Lassen Sie regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis durchführen, und achten Sie darauf, dass Sie bei Zähneknirschen nachts eine Aufbissschiene tragen.

Mein persönlicher Tipp aus der Pregizer Apotheke

Eine Mundspülung mit pflanzlichen Stoffen stärkt das Zahnfleisch effektiv und bildet eine Schutzschicht vor Entzündungen.


Über diese Seite:
Autor
Dr. Holger Isensee
Apotheker

Approbation als Apotheker. Promotion am physiologischen Institut der Universität Tübingen. Leitende Tätigkeit in der Pregizer Apotheke in Pforzheim.

Erstellungsdatum: 30.06.2026Änderungsdatum: 30.06.2026

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