Was tun bei einer Hautverletzung?

Es ist schnell passiert:
Eine kurze Unachtsamkeit, ein Sturz, ein Schnitt, eine Schürfung, und schon fließt Blut. Die äußere Hautschicht ist in diesem Falle so stark geschädigt, dass Blutgefäße verletzt wurden.
Drei wichtige Ziele verfolgen wir mit der optimalen Wundbehandlung:
- Erstens wollen wir den Blutfluss stoppen
- Zweitens sollen keine Krankheitserreger ins Gewebe eindringen
- Drittens soll die Wunde so gut verheilen, dass sich keine bleibende Narbe bildet
Wir gehen alle Punkte hübsch der Reihe nach durch:
Blutet die Wunde stark, so üben wir mit einem sauberen, fusselfreien Tuch Druck aus.
Achtung:
Lässt sich die Blutung über mehrere Minuten überhaupt nicht stoppen, sobald man mit dem Druck auf die Wunde nachlässt, so ist der Gang zum Arzt unerlässlich, denn dann muss genäht werden.Wenn eine Schnittverletzung nicht zu groß ist, kann man die Wundränder mit einem Klammerpflaster fixieren. Dazu werden die gereinigten Wundränder eng aneinander gedrückt und mit Hilfe von einem oder mehreren Klammerpflastern regelrecht wieder zusammengeklammert.
Ist die Blutung versiegt, so ist eine Desinfektion zu empfehlen. Dazu eignet sich am besten ein farbloses Wundspray mit dem keimabtötenden Wirkstoff Octenidin. Die aufgesprühte Flüssigkeit reinigt gleichzeitig die Wunde, falls sie verschmutzt ist.
Danach bedecken wir die Wunde mit einem passenden Pflaster. Es gibt alle möglichen Varianten: wasserfest, elastisch, zum Zuschneiden oder schon als fertigen Strip. Damit die Wunde nicht mit dem Pflaster verklebt, gibt es für empfindliche Körperstellen auch beschichtete Wundauflagen. Handelt es sich lediglich um eine Schürfwunde, so reicht das Aufsprühen eines Sprühpflasters.
Ist die Wunde tatsächlich tief oder größer, so leisten feuchte Wundauflagen gute Dienste. Ein Wundgel fördert die Wundheilung und sorgt gleichzeitig dafür, dass Krankheitserreger keine Chance haben, die Wunde zu infizieren.
Um eine Narbenbildung zu verhindern, trägt man eine Narbensalbe auf, sobald die Krustenbildung eingesetzt hat.
Einen Sonderfall einer Wunde stellt eine Nagelbettentzündung dar. Durch eine kleine Wunde am Nagelrand können Bakterien eine unangenehme Entzündung auslösen. Dagegen hilft das Auftragen einer pflanzlichen Salbe mit Lärchenterpentin als Pflasterverband. Salbe auftragen, Pflaster drüber und nach ein bis zwei Tagen ist die Entzündung verheilt.
Was nur wenige auf dem Schirm haben, aber wichtig ist:
Die Omega-3 Fettsäure DHA sowie Zink und bestimmte Vitamine sind für die Wundheilung von innen heraus wichtig, weil sie für die Neubildung von Gewebe unerlässlich sind. Insbesondere Diabetiker mit schlechter Wundheilung sollten diese Mikronährstoffe regelmäßig als Nahrungsergänzung zuführen.
Mein besonderer Tipp:
Ein Notfallset für die Handtasche sollte ein Klammerpflaster sowie ein Pflasterset mit Strips verschiedener Größen enthalten. Die Desinfektion kann zur Not auch zu Hause erfolgen.Approbation als Apotheker. Promotion am physiologischen Institut der Universität Tübingen. Leitende Tätigkeit in der Pregizer Apotheke in Pforzheim.
