Reiseübelkeit

Was hilft gegen Übelkeit im Auto, Bus, Flugzeug oder auf dem Schiff?
Warum wird ausgerechnet dem Kind auf der Rückbank schlecht?
Die Vorfreude ist groß, endlich geht es in den langersehnten Urlaub. Alles ist im Auto verstaut und die Reise beginnt. Vorne steuert der Fahrer entspannt das Fahrzeug, hinten machen es sich die Kinder bequem. Einer blättert in einem Buch, ein anderer beschäftigt sich mit dem Smartphone. Alles läuft wie am Schnürchen – bis plötzlich die gefürchteten Worte fallen: „Mir ist schlecht.“ Viele Eltern kennen diese Situation. Doch warum wird ausgerechnet dem Kind auf der Rückbank übel, während der Fahrer völlig entspannt bleibt? Die Antwort liegt überraschenderweise nicht im Magen, sondern im Gehirn.
Warum entsteht Reiseübelkeit überhaupt?
Damit wir jederzeit wissen, wie wir uns im Raum bewegen, vergleicht unser Gehirn fortlaufend die Informationen der Augen mit den Signalen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr. Stimmen beide Sinneseindrücke überein, funktioniert unser Orientierungssystem problemlos. Auf Reisen kann dieses Zusammenspiel jedoch gestört werden. Das Gleichgewichtsorgan registriert jede Kurve, jede Beschleunigung und jede Wellenbewegung. Die Augen nehmen diese Bewegungen beim Lesen, beim Blick auf das Smartphone oder in einer Schiffskabine dagegen kaum wahr. Das Gehirn erhält widersprüchliche Informationen. Dieser sogenannte Sinneskonflikt aktiviert das Brechzentrum. Die Folge können Schwindel, Übelkeit, Blässe, kalter Schweiß und schließlich Erbrechen sein.
Warum wird dem Fahrer meistens nicht schlecht?
Der Fahrer blickt ständig auf die Straße und verfolgt jede Kurve und jede Beschleunigung mit den Augen. Dadurch stimmen die Informationen der Augen mit den Meldungen des Gleichgewichtsorgans weitgehend überein. Das Gehirn erhält ein stimmiges Gesamtbild und gerät nicht in den beschriebenen Sinneskonflikt. Mitfahrer auf der Rückbank schauen dagegen häufig nach unten auf ein Buch oder ein Smartphone. Genau dadurch entstehen die widersprüchlichen Sinneseindrücke, die Reiseübelkeit auslösen können.
Warum hilft der Blick zum Horizont?
Der Blick in Fahrtrichtung oder auf den Horizont gehört zu den einfachsten und wirksamsten Maßnahmen gegen Reiseübelkeit. Die Augen nehmen dadurch die Bewegungen der Umgebung wieder wahr. Ihre Informationen passen nun deutlich besser zu den Bewegungen, die das Gleichgewichtsorgan registriert. Der Sinneskonflikt nimmt ab – und damit häufig auch die Übelkeit.
Warum sind Kinder besonders häufig betroffen?
Kinder leiden deutlich häufiger unter Reiseübelkeit als Erwachsene. Ihr Gleichgewichtssystem reagiert empfindlicher auf widersprüchliche Sinneseindrücke. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Empfindlichkeit bei vielen Menschen wieder deutlich ab.
Wie lässt sich Reiseübelkeit vorbeugen?
- Blick möglichst in Fahrtrichtung oder auf den Horizont richten.
- Während der Fahrt möglichst nicht lesen oder längere Zeit auf das Smartphone schauen.
- Vor Reisebeginn lieber kleine, leichte Mahlzeiten essen und auf üppige Mahlzeiten verzichten.
- Im Auto möglichst auf dem Beifahrersitz sitzen.
- Im Bus einen Platz nahe der Vorderachse wählen.
- Auf dem Schiff möglichst in der Mitte bleiben.
- Im Flugzeug einen Sitzplatz auf Höhe der Tragflächen bevorzugen.
Welche Medikamente helfen gegen Reiseübelkeit?
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, helfen Arzneimittel mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat. Sie sollten möglichst bereits etwa 30 Minuten vor Reisebeginn eingenommen werden. Der Wirkstoff ist als Reisedragee, Sirup, Zäpfchen oder Reisekaugummi erhältlich. Reisekaugummis wirken besonders schnell, da der Wirkstoff bereits teilweise über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Da Dimenhydrinat müde machen kann, sollte nach der Einnahme nicht selbst Auto gefahren und auf Alkohol verzichtet werden. Auch pflanzliche Ingwerpräparate können Reiseübelkeit lindern. Manche Menschen berichten außerdem über gute Erfahrungen mit Akupressurbändern.
Wann sollte man bei Übelkeit einen Arzt aufsuchen?
Nicht jede Übelkeit ist Reiseübelkeit. Treten zusätzlich starke Bauchschmerzen, Brustschmerzen, anhaltendes Erbrechen, hohes Fieber oder neurologische Beschwerden auf, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Die Pregizer Apotheke in Pforzheim berät Sie rund um Reiseübelkeit
Ob Reisedragees, Reisekaugummis, pflanzliche Präparate oder die passende Reiseapotheke – in der Pregizer Apotheke in Pforzheim beraten wir Sie gerne persönlich. Gemeinsam finden wir die passende Lösung, damit Sie Ihren Urlaub möglichst beschwerdefrei genießen können.
Häufige Fragen zur Reiseübelkeit
Warum wird mir beim Lesen im Auto schlecht?
Beim Lesen nehmen die Augen kaum Bewegungen wahr, während das Gleichgewichtsorgan jede Kurve registriert. Dieser Sinneskonflikt löst die Beschwerden aus.
Warum wird dem Fahrer nicht schlecht?
Der Fahrer blickt ständig auf die Straße und kann Bewegungen vorhersehen. Dadurch passen die Informationen der Augen und des Gleichgewichtsorgans besser zusammen.
Was hilft Kindern gegen Reiseübelkeit?
Ein Blick nach vorne, leichte Mahlzeiten, regelmäßige Pausen und – wenn nötig – geeignete Arzneimittel können helfen.
Wann sollte Dimenhydrinat eingenommen werden?
Am besten etwa 30 Minuten vor Reisebeginn, damit die Wirkung bereits einsetzt, bevor die Beschwerden entstehen.
Hilft Ingwer wirklich gegen Reiseübelkeit?
Ja. Ingwer kann Übelkeit lindern und wird von vielen Menschen gut vertragen. Er eignet sich insbesondere bei leichter Reiseübelkeit oder als Ergänzung zu anderen Maßnahmen.
Empfohlene Präparate:
Approbation als Apotheker. Promotion am physiologischen Institut der Universität Tübingen. Leitende Tätigkeit in der Pregizer Apotheke in Pforzheim.
