Wie entstehen Gallensteine? Die überraschende Rolle von Blutzucker, Cholesterin, Leber und Galle

Wie entstehen Gallensteine? Die überraschende Rolle von Blutzucker, Cholesterin, Leber und Galle

Viele Menschen verbinden Gallenbeschwerden mit einer besonders üppigen Mahlzeit. Nach einer knusprigen Schweinshaxe, dem Festtagsbraten oder einer Portion fettiger Schmalzkringel treten plötzlich krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch auf. Schnell scheint der Schuldige gefunden: „Das viele Fett war zu viel für meine Galle.“ Tatsächlich löst die Mahlzeit oft die Beschwerden aus. Die Geschichte beginnt jedoch schon Jahre früher – und zwar nicht in der Gallenblase, sondern in der Leber.

Wie entstehen Gallensteine überhaupt?

Die Leber produziert die Gallenflüssigkeit als Verdauungssaft auf Vorrat. Gespeichert wird sie in der Gallenblase. Immer dann, wenn wir fettreich essen, zieht sich die Gallenblase zusammen und entleert ihren Inhalt in den Darm, damit die Fettverdauung starten kann. Die Galle dient jedoch nicht nur der Verdauung. Sie ist gleichzeitig ein wichtiges Entsorgungssystem der Leber. Über sie werden Stoffe über den Darm ausgeschieden, die der Körper nicht mehr benötigt oder nicht weiter abbauen kann– darunter auch überschüssiges Cholesterin. Steigt dessen Konzentration in der Gallenflüssigkeit zu stark an, bilden sich zunächst winzige Cholesterinkristalle (Gallengries), aus denen sich über Monate oder Jahre Gallensteine entwickeln können.

Welche Rolle spielt der Blutzucker bei Gallensteinen?

Viele Menschen bringen die Ursache von Gallensteinen mit einem hohen Fettkonsum in Verbindung. Sie verkennen den Zusammenhang mit einem gestörten Zuckerstoffwechsel. Ist der Blutzuckerspiegel lange Zeit zu hoch (siehe Diabetes) so wandelt die Leber den überschüssigen Zucker in Fett um. Um das neu gebildete Fett im Körper zu transportieren, verpackt die Leber es in cholesterinreiche Transportpartikel. Die Konzentration an Cholesterin steigt in ungesunde Höhe und kann nicht abgebaut werden. Die Leber befördert es nun über die Galle, damit es von dort in den Darm ausschieden wird. Je höher nun die Konzentration von Cholesterin in der Gallenflüssigkeit wird, desto höher steigt das Risiko für Gallensteine. Wichtig zu wissen: etwa 90 % der Gallensteine sind cholesterinreich.

Warum fördern Fettleber und Diabetes die Entstehung von Gallensteinen?

Fettleber und Diabetes Typ 2 sind Ausdruck eines gestörten Zuckerstoffwechsels. Beide Erkrankungen ziehen eine erhöhte Fettbildung in der Leber nach sich. Damit einher geht eine verstärkte Cholesterinausscheidung über die Galle. Deshalb treten Gallensteine bei Menschen mit Fettleber, Übergewicht oder Diabetes deutlich häufiger auf.

Warum bekomme ich nach fettem Essen Schmerzen?

Fettreiche Mahlzeiten können die Beschwerden auslösen. Sobald Fett in den Darm gelangt, erhält die Gallenblase den Impuls, sich zusammenzuziehen. Befindet sich dabei ein Gallenstein im Ausgang der Gallenblase oder in den Gallengängen, kann er stecken bleiben. Durch kräftige Kontraktionen versucht die Gallenblase, den Stein weiter in Richtung Darm zu befördern. Dadurch entstehen die starken, krampfartigen Schmerzen einer Gallenkolik.

Kann eine fettarme Ernährung Gallensteine fördern?

So überraschend es klingt: Auch sehr fettarme Diäten können das Risiko für Gallensteine erhöhen. Die Galle braucht regelmäßige Entleerungsimpulse durch Fett in der Nahrung. Werden über längere Zeit kaum Fette verzehrt oder kommt es durch Fastenkuren und schnelle Gewichtsabnahmen nur selten zu einer Entleerung der Galle, verbleibt die Gallenflüssigkeit länger in der Gallenblase und konzentriert sich zunehmend. Das Risiko einer Gallensteinbildung steigt dadurch.

Wie kann man Gallensteinen vorbeugen?

Wer seinen Blutzucker stabil hält, eine Fettleber vermeidet und auf ein gesundes Körpergewicht achtet, reduziert gleichzeitig sein Risiko für Gallensteine. Darüber hinaus können regelmäßige Mahlzeiten und eine normale Entleerung der Gallenblase dazu beitragen, dass sich die Gallenflüssigkeit nicht übermäßig konzentriert.

Welche Rolle spielen Bitterstoffe für die Galle?

Traditionell werden Bitterstoffpflanzen wie Artischocke, Löwenzahn oder Schafgarbe bei Verdauungsbeschwerden und einer trägen Galle eingesetzt. Die enthaltenen Bitterstoffe fördern die Bildung und Entleerung der Gallenflüssigkeit und unterstützen damit die Fettverdauung. Die Mariendistel unterstützt die Leberzellen direkt bei ihrer Arbeit und gilt als klassischer pflanzlicher Leberschutz.

Mein persönlicher Tipp aus der Pregizer Apotheke in Pforzheim

Die verdauungsfördernde Wirkung von Bitterstoffen ist bereits seit der Antike bekannt. Viele traditionelle Aperitifs verdanken ihren typischen Geschmack bitteren Pflanzenstoffen wie Campari, Cynar (Artischocke) oder Absinth (Wermut). Deutlich bekömmlicher und alkoholfrei ist jedoch der regelmäßige Genuss eines hochwertigen Leber-Galle-Tees oder die gezielte Anwendung bitterstoffhaltiger Heilpflanzen.

Häufige Fragen zu Gallensteinen

Welche Symptome verursachen Gallensteine?

Eine Gallenkolik verursacht meist plötzlich einsetzende, krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch. Die Schmerzen können in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen und gehen häufig mit Übelkeit, Völlegefühl oder Erbrechen einher.

Sind Gallensteine gefährlich?

Solange Gallensteine noch klein sind und nicht in einen Gallengang gelangen, verursachen sie oftmals jahrelang keine Beschwerden. Problematisch wird es, wenn ein Stein den Ausgang der Gallenblase oder einen Gallengang verstopft. Dann kann es nicht zu Koliken, Entzündungen oder einem Rückstau der Gallenflüssigkeit kommen. Gefürchtet ist die Entzündung der Gallenblase oder der Bauchspeicheldrüse.

Müssen Gallensteine immer operiert werden?

Nein. Beschwerdefreie Gallensteine müssen in der Regel nicht behandelt werden. Bei wiederholten Gallenkoliken oder Komplikationen wird die Entfernung der Gallenblase empfohlen.

Kann man Gallensteine auflösen?

In bestimmten Fällen können kleine Cholesterinsteine medikamentös behandelt werden. In den meisten Fällen lassen sich Gallensteine jedoch nicht dauerhaft auflösen.

Wann sollte man mit Gallensteinen zum Arzt gehen?

Wiederkehrende Schmerzen im rechten Oberbauch sollten ärztlich abgeklärt werden. Sofortige Hilfe ist erforderlich, wenn starke Schmerzen, Fieber oder eine Gelbfärbung von Haut und Augen auftreten. Ein Rückstau von Gallenflüssigkeit ist gefährlich und muss im Krankenhaus notfallmäßig behandelt werden.

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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.


Über diese Seite:
Autor
Dr. Holger Isensee
Apotheker

Approbation als Apotheker. Promotion am physiologischen Institut der Universität Tübingen. Leitende Tätigkeit in der Pregizer Apotheke in Pforzheim.

Erstellungsdatum: 18.06.2026Änderungsdatum: 18.06.2026

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